Götterwelt aus dem Himalaya

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Das Pantheon der Himalaya-Gottheiten ist ebenso vielfältig wie die Bergketten des Himalaya. Dabei sind die populärsten Götter der Berge Shiva, Hanuman, Kali, Ganesha, Lakshmi, Vishnu, Durga, Saraswarti, Krishna und etliche mehr. Konzentrieren wir uns bei all den formlosen und klangreichen Namen bei einigen von ihnen auf ihre Qualität, die vom Bewegungslosen bis in die Unendlichkeit reicht.

Der hinduistische Götterhimmel ist etwas stärker bevölkert als der westliche Himmel mit seinen Gottheiten. Es existiert eine Vielzahl an Geschichten zu den jeweiligen Gottheiten, von denen sich manche zum Teil widersprechen können, woran man sich jedoch nach einer Weile gewöhnt. So lange die wichtigste Kraft ihren Ursprung in der Götterwelt hat und alle anderen Götter sich mit ihr auf irgendeine Weise verbinden, ist das kein Hindernis.

Die Hauptgottheiten

Im Hinduismus gibt es einen einzigen Schöpfergott: Brahman, das alles durchdringende Bewusstsein; der Gott ohne Eigenschaften und Form. Eine Dreifaltigkeit, auch Trinität genannt, stellen die Ishvara-Erscheinungsformen, das Bündnis von Brahma, Shiva und Vishnu dar. Dieses Universelle, das jenseits der Vorstellung Transzendierte, kreiert ein ewiges Spiel aus den Bereichen Erschaffen, Erhalten, Zerstören. Was Brahman erschafft, hält Vishnu aufrecht, Shiva sorgt dafür, dass es transformiert bzw. wieder zerstört wird. Ganz nach dem Prinzip GOD: Generator, Operator, Destroyer. Dafür braucht es allerdings auch etwas weibliche Energie.

Brahma als Gottheit

Brahma manifestiert sich als älteste Erscheinungsform Ishvara. Letzten Endes spiegelt unsere Welt die Fantasie von Brahma, der die Welt in tiefer Meditation erschaffen hat. Brahma ist der Schöpferaspekt und wird selten verehrt, weil er seine Aufgabe bereits erledigt hat. Er hat alles erschaffen. Er ist aus dem Nabel Vishnu entstanden und hat vier Köpfe (diese stehen für vier Qualitäten) und vier Arme, meist sitzt er in Abbildungen auf einer Lotosblüte.

In den Händen trägt er symbolische Elemente wie eine Malakette, diese ist der hinduistische Rosenkranz und symbolisiert den Weltenretter, weiterhin eine Bettlerschale, die als Sinnbild des Schöpfers dient, da er Schöpfer des Universums ist und nur ein Bettler seine ganze Kraft von Brahma erhält.

In der anderen Hand hält er eine weitere Lotosblüte, diese steht für die ganze Schöpfung und eine weitere Hand äußert die empfangende Geste. Alle göttlichen Aspekte verfügen somit auch über weibliche Aspekte. Dieser ist für Brahma Saraswati, die Göttin der Kunst und Weisheit, welche auch für die Muse steht. Sie wird sehr verehrt und ist äußerst beliebt, vor allem wegen ihrer Sprache und ihres Wissens. Aus Liebe zur Musik wird Saraswati oft mit einer indischen Laute dargestellt.

Vishnu als Gottheit

Vishnu ist ein Aspekt Gottes, manchmal wird er auch Narayana oder Hari genannt. Er ist der Erhalter des Gleichgewichtes, der zwischen Brahma und Shiva in der Mitte des Trimurti agiert. Dargestellt wird Vishnu häufig mit dem Muschelhorn (dieses steht für den kosmischen Klang und somit für die Energie des Universums), mit Lotusblume, Wurfscheibe und Keule, da es seine Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass alles weiterläuft. Vishnu bewahrt und hält die Schöpfung aufrecht, so zeigt er sich in unzähligen anderen Erscheinungen; die bekanntesten sind Krishna, Rama und Buddha. Vishnu hat schon vor der Schöpfung existiert und gab so den ersten Impuls zur Evolution.

Vishnu steht für den Frieden, die Liebe und alles Gute, so ist er auch der dienstlose Karma-Yoga-Gott, der oft mit der Weltenschlange Ananta oder mit Garuda, dem Adler (Asana: Garudasana), abgebildet wird, auf dessen Schultern er sich fortbewegt.

Der weibliche Aspekt von Vishnu ist Lakshmi, die Göttin der Fülle und des Reichtums sowie der Schönheit. So erhält Vishnu schon lange das Gesamtkonzept aufrecht und erscheint inkarniert auf Erden, immer bereit zu helfen.

Shiva als Gottheit

Shiva wird manchmal auch als Nataraja oder Maheshwara bezeichnet, diese Qualität steht für das höchste Prinzip. Seine Art der Verehrung wird häufig als Lingam (Phallus) dargestellt. Lingams stehen überall, sie werden in kleinen Tempeln verehrt, indem über sie die verschiedensten Flüssigkeiten ausgegossen werden.

Shiva ist bekannt für den Part der Zerstörung. Kennzeichnend für Shiva ist, dass er immer eine Schlange um den Hals trägt, einen Dreizack als Waffe und ein drittes Auge auf der Stirn hat. Als höchster Gott im Hinduismus gilt somit Shiva, er ist der Inbegriff für Sinnesfreuden und zugleich Ausdruck der Askese. Wohl deshalb ist er auch der Gott der Zweideutigkeit: Zum einen zerstört er, zum anderen zeigt er sich wohltätig.

Durch Shiva wird der Aspekt der Zerstörung mit etwas Neuem gleichgestellt. Von Lust bis Ekstase – er ist der Gott des Tanzes. Bei seinem unendlichen Spiel aus lustvoller Liebe und versenkender Meditation ordnet Shiva die Welt.

108 Tanzpositionen übt der Gott aus, es gibt viele Gründe, warum er so stark verehrt, angehimmelt und angebetet wird. Kein Wunder, wenn er alle drei Prinzipien des Kosmos in sich vereinigt, er scheint ein Gott der Balance zu sein. In Nepal gibt es sogar ein Festival zu Ehren dieser Gottheit: Das Shivaratri Festival findet jährlich zu Frühlingsbeginn statt.

Seine weibliche Ergänzung ist Parvati, die Göttin der Sanftheit, Liebe und Mütterlichkeit, der Fürsorge und Freundlichkeit. Dazu reiht sich Kali, sie ist die dunkle Erscheinungsform, die Göttin des Todes, sie stellt das Gegenteil von Parvatis Qualitäten dar.

Die positiven Eigenschaften werden von Parvati besetzt, die dunklen Aspekte werden ihrer Inkarnation, der Göttin Kali, zugeschrieben. Sie bildet mit Saraswati und Lakshmi die weibliche Trimurti-Einheit.

Götterwelt des Himalaya-Plateaus

Der Himalaya ist die Heimat und Wiege der Götter. Die Höhe der Berge verbindet den spirituellen mit dem irdischen Raum, ein Ort zwischen Himmel und Erde. Die Götterwelt des Himalaya zeigt sich vom hohen Norden bis in den Süden. Reisende, die den Himalaya bereisen, spüren eine enge Verbundenheit mit den Bergen, oft sogar deren besondere Spiritualität.

Hier residierte Gott Shiva, die Buddhisten und Hinduisten verehren den Kailash als seinen Gipfel. Dorthin pilgern seit jeher Hinduisten, für beide Religionen scheint die Zahl 108 auch hier bedeutsam zu sein: Die Buddhisten umrunden den Kailash 108 Mal.

Die Vermischung von unterschiedlichen Religionen, Riten und Traditionen bildet die Einflüsse unterschiedlicher Kulturen und Strömungen ab. Sie ist so unterschiedlich und endlos wie die Götter.

Die weltweiten Achttausender, 14 an der Zahl, liegen in der Himalaya-Region und werden dort ewig ruhen. In Nepals Tiefland und im Mittelgebirge dominiert der Hinduismus, in den Hochregionen hingegen der Buddhismus, vereinzelt finden sich auch muslimische Gruppen.

In der Heimat des Schnees, was Himál-aya auf Sanskrit bedeutet, schmücken viele Gottheiten, Klöster, Tempel, Riten, Traditionen und Ethnien bis heute die endlosen Gebirgsketten mit ihrem Lachen, ihren Göttern und ihren Mythen.